2014 Abens & Donau

Juli 2014

Länge: 17 km • Dauer: ca. 3,5 Stunden • Hindernisse: keine Wirklichen (starker Schilfbewuchs auf den ersten 900 Metern auf der Abens, wir musste uns an der einen oder anderen Stelle durchs „Unterholz“ kämpfen) • Befahrungsregeln: keine
Start: Campingplatz Felbermühle, Neustadt an der Donau • Ende: Kelheim • Aktuelles Wetter: Neustadt • Aktueller Pegel: AunkofenPaddelstrecke • Video: Impressionen der Tour • Camping: Campingplatz Felbermühle, Neustadt an der Donau
Sehenswertes in der Nähe: Kloster Weltenburg, Befreiungshalle in Kelheim und das Römerkastell Abusina in Eining

Immer wieder haben uns Freunde gefragt, ob sie nicht mal mit uns paddeln gehen können. Bisher ist das immer daran gescheitert, dass wir kein zweites Boot hatten.

Im Mai hat sich das geändert: Über Ebay haben wir günstig einen GFK-Canadier erstanden. Mit Glasfaserspachtel, -matten, Harz und Bootslack haben wir den „Joki“ (finnisch: Fluss) hergerichtet und haben Mitte Juli mit Monika und Dietmar zu einem Zelt- und Paddelwochenende auf dem Campingplatz Felbermühle bei Neustadt an der Donau getroffen. Unser Gespann aus ScoutDog mit den beiden Booten – der Joki auf dem Autodach und der Athabasca auf dem Zeltanhänger war schon ein „very long vehicle“, aber der Transport war dann doch viel unkomplizierter als beim Beladen befürchtet.

Den Freitagabend verbringen wir mit Zeltaufbau, gemütlichem Grillen und Ratschen bis weit nach Sonnenuntergang, die Tour auf Abens und Donau ist für Samstag geplant. Nach einem gemütlichen Frühstück– Semmeln hatten wir am Campingplatz vorbestellt – und ein paar Paddeltipps für die die Neulinge Monika und Dietmar, shutteln Dietmar und Henrik ein Auto nach Kehlheim, dem Ziel der Paddeltour. Wieder zurück am Campingplatz werden beide Canadier mit dem nötigen Equipment bestückt und paddelfertig gemacht. Gegen halb zwei setzen wir direkt auf dem Campingplatz und die Abens ein: Christiane mit Dietmar im Athabasca und Henrik mit Monika im Joki.

Uiii … beide Teams haben anfangs Einstimmungsherausforderungen: Christiane – erstmals als Kapitänin – und Dietmar brauchen eine Weile, um sich aufeinander einzustimmen und Henrik und Monika sind überrascht von dem doch recht kippeligen Joki. So dauert es für beide Teams, bis es mit dem Paddeln rund läuft. Zeit, die wir eigentlich zu Beginn der Tour gar nicht haben: Die Abens windet sich auf den ersten 900 Metern durch ziemlich enge Kurven. Die größere Herausforderung ist aber der starke Schilfbewuchs. Wir schlagen uns sozusagen durchs Dickicht – den Weg finden wir z.T. nur, weil die Abens uns über die Strömung anzeigt, dass es rechts durch den Schilfwald geht. Fast sind wir durch, da versperrt uns eine Schilfaufschwemmung den Weg. Mit viel Muskelkraft können wir unsere beiden Boote darüber hinweg schieben.

Danach wird es besser und wir erreichen das Schöpfwerk, den Durchfluss der Abens in das Hochwasserauffanggebiet der Donau ermöglicht. Der Wasserstand ist nicht zu hoch und wir können durch das Schöpfwerk paddeln – besser gesagt – unten durch.

Danach ist die Abens breiter, es wächst kein Schilff mehr und wir kommen ohne weitere Urwaldaktionen voran. Nach dem Zusammenfluss mit der Ilm geht es sogar recht munter weiter. Unser Zwischenziel ist der Biergarten in Eining an der Einmündung der Abens in die Donau. Wir wollen uns ein wenig die Füße vertreten und eine Pause machen. Aber: An der Anlegestelle liegen ein Haufen Bade-Gummi-Boote und ein Party-Floß, alles gefüllt mit z. T. schon recht angeheiterten Menschen. Also entscheiden wir spontan, nicht an zu landen, sondern in die Donau einzufahren. Schnell wechseln wir ans linke Flussufer, wo wir nach ein paar Minuten eine ruhige, schattige Kiesbank direkt am Ufer finden. Hier machen wir dann unsere Pause.

Wieder auf dem Wasser lassen wir uns von der schnell dahinfließenden Donau vorantreiben. Immer wieder kreuzen Party-Boote unseren Weg, was die Ruhe und das Naturerlebnis stark einschränkt – wir wünschen uns eigentlich auf die Abens zurück.

Durch die vielen Menschen abgeschreckt, entscheiden wir uns dann auch, nicht am Kloster Weltenburg anzulanden, sondern direkt durch den Donaudurchbruch nach Kehlheim zu paddeln. Wie abgesprochen, fährt der Joki vorne weg und Christiane steuert den Athabasca hinterher – die Aufregung von Christiane, die Verantwortung im Boot zu haben und den Donaudurchbruch bewältigen zu müssen, erweist sich als unnötig. Souverän steuert sie den Canadier und meistert auch die eine oder andere Kapriole von Dietmar – aller Anfang ist schwer.

Der Joki zeigt in den Wellen des Donaudurchbruchs nochmal, dass er ein drehfreudiges, aber eben auch nervöses Boot ist. Monika und Henrik haben sich aber auf das Kippeln eingestellt und so lassen dem Canadier seine Eigenheiten – wir kommen gut damit zu recht.

Vorbei an der Felsformation Peter und Paul kommt bald die Befreiungshalle und eine Kurve weiter Kehlheim in Sicht. Und hier passiert es dann, keine 20 Meter von der Aussetzstelle entfernt:

Um nicht längs in die Heckwelle des Ausflugschiffs zu geraten, beschließt Henrik, im rechten Winkel aus der Strömung in das Zahmwasser der Bucht zu paddeln, in der der Ausstieg liegt. Dabei – es ist von der Wasserseite so nicht erkennbar – reißt eine Strömung den Joki um. Monika und Henrik kentern unvorhergesehen und sehr schnell.

Wir tauchen beide erst mal unter dem Boot auf, finden aber schnell den Weg an die Oberfläche, beide mit dem Paddel in der Hand und Henrik hält das Boot fest. Da Monika sich nicht richtig am Joki festhalten kann, entscheidet sie sich richtiger Weise dazu, aus der Strömung heraus ans Ufer zu schwimmen. Henrik hat richtig zu kämpfen, um aus der Strömung zu kommen: Also Boot loslassen (und am Seil festhalten) und kräftig schwimmen. Erfolgreich ist er aber erst, als Christiane und Dietmar den Athabasca in die Strömung stellen und den Druck der Donau auf den kieloberntreibenden Joki verringern.

Es geht dann alles gut aus – wir haben keine Blessuren davon getragen und auch kein einziges Teil aus dem Joki verloren. Es hat sich bewiesen: Alles fest zu gurten ist genauso sinnvoll, wie die Paddelwesten zur Schwimmunterstützungen, als auch das wasserdichte Verpacken von Handies, Autoschlüsseln und Ersatzklamotten.

Es gibt nur einen großen Verlust: Das Vertrauen in die Hilfsbereitschaft der umstehenden Menschen. Mindestens 10 Menschen am Ufer oder im vorbeifahrenden Boote müssen das Kentern und die Schwierigkeiten, aus der Strömung an Land zu kommen, beobachtet haben – und keiner hat geholfen, nicht einmal rufend Hilfe angeboten. Für uns geht der Tag einem guten Abendessen in einem Restaurant in Bad Gögging zu Ende – die Boote haben wir wieder an den Campingplatz gebracht. Nach einem ausgiebigen Frühstück und sogar einem erfrischenden Bad in der Abens beenden wir das Wochenende.

Fazit

Das neue Boot hat sich – trotz kentern – bewährt, mit der Nervosität kann man umgehen. Die Paddeltour hat allen Spaß gemacht und der Umfaller von Monika und Henrik taugt als gute Geschichte allemal. Eine Wiederholung einer gemeinsamen Paddeltour ist schon beschlossen.

Schwer enttäuscht sind wir allerdings von der Gleichgültigkeit der Anderen – uns würde das nicht passieren! Und von Euch, die Ihr diesen Bericht lest, die Bilder und das Video anschaut, wünschen wir uns, dass Ihr nicht passiv zuschaut, wenn etwas passiert.

 

 

 
Musik: „The capricious river“ – Album „Biosphere“ von Dagdà
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