2011 Lychen

Juli 2011

Länge: 17,5 km • Dauer: ca. 6 Stunden • Hindernisse: Schleuse in Himmelpfort • Befahrungsregeln: Vorfahrt für Berufsschifffahrt
Start: Naturcampingpark Rehberge, Lychen • Ende: Marina in Fürstenberg  • Aktuelles Wetter: Lychen
Camping: Naturcampingpark Rehberge, Lychen • Sehenswertes in der Nähe: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Unsere zweite Station im Sommerurlaub in der Mecklenburg-Vorpommerschen Seenplatte. Die Suche nach einem geeigneten Campingplatz – unser ursprüngliches Ziel liegt eigentlich keine 30 km von der Schlabornhalbinsel weg – gestaltet sich schwierig: Wir hatten bei unser Urlaubsplanung nicht berücksichtigt, dass wir mitten in der norddeutsche Ferienzeit unterwegs sein würden. So sind wir – auch immer wieder auf offiziell befahrbaren Feld- und Waldwegen – den ganzen Tag unterwegs, um immer wieder festzustellen, dass die Campingplätze voll sind oder wir nur im letzten, unattraktiven Eckchen stehen könnten. Endlich, gegen Abend erreichen wir in Lychen den Naturcampingpark Rehberge. Nachdem wir – Henrik besonders – die Nase voll haben, weiterzusuchen, ersparen wir uns die sonst übliche Vorabbegehung des Platzes. In der Rezeption lassen wir uns einen Platz zuweisen, mit dem Versprechen, da alle Plätze ausgebucht sind, nicht länger als die angekündigten vier Nächte zu bleiben. Der Platz ist ein Glückstreffer: Mitten im Wald, kaum Nachbar und mit dem Bootswagen ist auch der See für unsere Paddeltour problemlos zu erreichen.

Nach einem Tag faul sein und Umgebung erkunden, shutteln wir unser Auto nach Fürstenberg an die Marina. Hier dürfen wir unser Fahrzeug bis zum nächsten Tag parken. Mit dem Bus und einem kleinen Spaziergang kommen wir problemlos zurück zum Campingplatz.
Nachdem das Wetter am Vortag noch unbeständig war, haben wir an unserem Paddeltag bestes Canadier-Wetter. Nicht zu heiß und nicht zu viel Wind (der auf einem See sehr hinderlich sein kann). Unser Boot beladen wir am Zelt und mit dem Bootswagen geht’s an die Einsetzstelle. Der Wurlsee ist für Motorboote gesperrt und so beginnt unsere Tour idyllisch und ruhig. Lediglich ein paar andere Paddler sind auch unterwegs, aber alle soweit auseinander, dass jeder seine eigenen Eindrücke genießen kann.
Der Ausgang des Wurlsees ist nicht ganz einfach zu finden, da der entsprechende Wegweiser nur noch als Skelett am Ufer steht. Durch einen frischen, jungen Wald zieht sich der kurze Kanal bis zum Nesselpfuhl, an dessen Südufer der Ort Lychen liegt. Wir halten uns rechts am Ufer und fahren unter der niedrigen Autobrücke durch. Vorbei an Vorgärten und Bootsgaragen – ab hier müssen wir mit motorisierten Wassersportlern rechnen – werfen wir kurz einen Blick in den Stadtsee und biegen dann auf den Großen Lychensee ab.

Wow, ganz schön groß ist dieser See und das erste Mal auch ein paar höhere Wellen. Aber unser „Athabasca“ hält das Versprechen, dass Gatz bei der Einschätzung dieses Canadiers gegeben hat: Gutmütig und sicher sind die Wellen und auch die Heckwellen von Motorbooten kein Problem für unseren Canadier. Kein Vergleich zu seinem Vorgänger, dem „Ohio“. Trotzdem dauert es eine Weile, bis wir nach knapp 3 km den See verlassen und in den Woblitzkanal einpaddeln. Hier tummeln sich die kuriosesten Boote: Canadier, Kajaks, Schlau- und Motorboote bis hin zu den großem Hausbooten. Und sogar ein Ruderclub in Vierer-mit-Steuermann-Booten ist hier unterwegs.
Am Ende des Woblitzkanals geht es durch den Haussee, an dessen Ende uns die befahrbare, selbst zu steuernde Schleuse bei Himmelpfort erwartet. Diese hatten wir uns bereits zwei Tage zuvor angesehen und auch den Ort in Augenschein genommen. Neben der Postannahmestelle des Weihnachtsmannes, die hier im Jahr über 250.000 Wunschzettel beantwortet, gibt es auch ausreichend Möglichkeiten, in eine Gastwirtschaft einzukehren.
Auch wir beschließen, hier eine längere Pause einzulegen. Allerdings entscheiden wir uns für ein Picknick im Park bei der Klosterruine. Das Anlanden vom Haussee aus, kurz vor der Schleuseneinfahrt, ist kein Problem. Hier gibt es dazu extra einen Steg und sogar eine Stahlrolle, um das Boot leicht aus dem Wasser nehmen zu können.
Gestärkt setzen wir wieder ein und gehen in Wartestelle für die nächste Schleusenfahrt. Zu früh gefreut! Die Pause wird länger als gedacht! Da auf Binnengewässern die Berufsschifffahrt immer Vorfahrt hat, müssen wir mit vielen anderen Privatbooten warten, bis das Ausflugsschiff durch die Schleuse ist. Nachdem dessen Kapitän die Schleuse anscheinend schon weit vor seiner Ankunft elektronisch reservieren kann, warten wir fast eine Stunde auf unsere Weiterfahrt.

Nach der Schleuse kommt die größte Herausforderung des heutigen Tages auf uns zu: Wir müssen den Stolpsee überqueren. Die Strecke ist zwar nicht länger als über den Großen Lychensee, aber es windet etwas stärker und wir sind immerhin schon über vier Stunden unterwegs. Glücklicherweise kommt der Wind eher von hinten, sodass wir auch diesen See gut meistern. Dass es aber doch ein wenig gedauert hat, merken wir daran, dass uns kurz vor der Ausfahrt aus dem Stolpsee das Ausflugsschiff auf seiner Rückfahrt schon wieder entgegen kommt. Aber das heißt auch: All zu weit kann es nicht mehr bis zum Ende unserer Tour sein.

Nochmal geht es durch einen Kanal. Der Havelkanal, der uns in den Schwedtsee bringt, gehört mit zu der Wasserstraße, die die Ostsee mit Berlin verbindet. Am Ufer treffen wir einen alten Bekannten(?) beim Jagen.
Wir halten uns links, denn wir wollen auch vom See aus nochmal einen Blick auf die Gedenkstätte des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück werfen, dass wir Vortags in einer Führung besucht haben. Zu den gelben Markierungsbojen halten wir pietätvoll Abstand. Näher ans Ufer soll und darf man hier nicht fahren, da die Nazis im Dritten Reich hier die Asche der im Lager ermordeten und im Krematorium verbrannten Frauen in den See gekippt haben.
Nur noch wenige Paddelschläge bringen uns dann an die Marina von Fürstenberg, deren Silhouette wir am Westufer des Schwedtsees sehen. Nach 6 Stunden und 17,5 km Paddeln sind wir geschafft und glücklich über unsere Leistung an diesem herrlichen Tag.

Fazit

Eine sehr schönen Tour, anstrengend zwar (auf einem Fluss kann man sich eben auch mal treiben lassen), aber abwechslungsreich und mit schöner Pausenstelle in der Mitte.
Leider aber auch unsere letzte Tour in diesem Sommerurlaub in MeckPomm. Nachdem wir im Anschluss an diese Tour erst mal für ein paar Tage an die Ostsee hochgefahren sind, hat uns dann der Wetterbericht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Anstelle wieder zurück in die Seenplatte zu fahren und noch ein oder zwei Touren zu paddeln, haben wir den Urlaub verkürzt und die Heimreise angetreten. In der Nachbetrachtung war der Wetterbericht auch zutreffend und wir haben die Heimreise-Entscheidung nur bedingt bereut. Aber: Wir werden sicher nochmal wieder kommen – dann außerhalb der Ferienzeit der nördlichen Bundesländer und vielleicht auch ohne unseren ScoutDog. Nur mit kleinem Zelt wäre eine Mehrtagestour reizvoll. Und dafür findet man auf jedem Camping- oder Biwakplatz sicher eine Übernachtungsstelle.