2011 Regen

Mai 2011

Länge: 20 km • Dauer: ca. 4,5 Stunden
Hindernisse: Felsen bei Urleiten (fahrbar, Weg suchen) · Wehr bei Chamerau (fahrbare Bürstenrutsche, vorher anschauen) ·
Stufe bei Hammermühle (nicht fahrbar, umtragen)
Befahrungsregeln: keine
Start: Campingplatz Blaibach/Kreuzbach • Ende: D’Wasser Wirtschaft, Cham • Aktuelles Wetter: Blaibach • Aktueller Pegel: Pulling
Camping: Kanu & Camping, Blaibach/Kreuzbach • Sehenswertes in der Nähe: Baumwipfelpfad im Nationalpark Bayerischer Wald

In der ersten Maiwoche haben wir Urlaub. Und natürlich wollen wir eine weitere Tour mit unserem Athabasca paddeln. Ausgesucht haben wir uns diesmal den Regen in der Oberpfalz – eine Ecke Bayerns, wo wir bisher noch nicht waren. Also steuern wir mit Zeltanhänger und Canadier den Campingplatz in Blaibach/Kreuzbach an und stellen zufrieden fest, dass wir nicht einen Tag zu früh sind. Der Platz hat heute, am 1. Mai Saisoneröffnung. Und das heißt für uns: Wir sind bis auf zwei Dauercamper alleine und können uns einen schönen Platz direkt am Ufer des Regen aussuchen.
Anders als bei unserer ersten Tour auf der Altmühl ist der Campingplatz diesmal der Startpunkt der Paddeltour. Also bringen wir am zweiten Urlaubstag das Auto nach Cham – bis dorthin werden wir paddeln – und fahren, nicht ohne den Ort ein wenig anzusehen, mit dem Zug zurück nach Blaibach.

Am nächsten Morgen – die Nächte sind hier noch ziemlich kalt – dann erst mal die Enttäuschung: Das Wetter ist schlecht und für eine genussvolle Flusstour nicht geeignet. Also in D’Wasser Wirtschaft in Cham anrufen und nachfragen, ob wir unser Auto freundlicherweise einen ganzen Tag länger auf deren Parkplatz stehen lassen dürfen – Danke! Wir planen für den Tag um und wandern zu Fuß den Regen aufwärts bis nach Bad Kötzing und wieder zurück und verbringen so doch einen schönen Tag.
Kühl, aber schön beginnt der darauffolgende Tag und kurz vor Mittag beginnt nun endlich unsere Tour. Wir setzen direkt am Campingplatz in den Regen ein. Der Einstieg ist, da der Campingplatz auch gleichzeitig einen großen Kanuverleih betreibt, gut präpariert und los geht’s.

Der Blick vom Startpunkt aus ist klasse. Flussaufwärts kann man eine alte Eisenbahnbrücke ausmachen. Und wir glauben gerne, dass man hier auch flussaufwärts zum Blaibacher See – einem Stausee des Regen – paddeln kann. In Fahrtrichtung müssen wir direkt den Fluss queren, um die Durchfahrt am rechten Ufer zu erreichen. Von links bis in die Flussmitte zieht sich nämlich eine kleine, harmlose Stufe.
Ca. 200 m unterhalb des Einstiegs, quasi am Westende des Campingplatzes, fahren wir durch den mittleren Bogen der Straßenbrücke von Blaibach. Die anderen Durchfahrten – wir haben uns das vorher zu Fuß von oben angesehen – dürften zumindest bei niedrigerem Wasserstand nicht fahrbar sein. Nach der Brücke geht es eine ganze Zeit lang unbeschwert dahin.
Der Regen und die Landschaft verändern sich immer wieder. Mal ist der Fluss breit und träge, mal schmäler und munter. Mal paddeln wir gegen Gegenwind an, an anderer Stelle können wir verschiedenste Tiere nah erleben. Neben verschiedenen Wasservögeln sind auch zahlreiche Biberspuren bis hin zu einem schwimmenden Exemplar dieses Tieres zu entdecken. Und einmal starrt uns sogar eine Wasserratte (?) aus ihrem Erdloch an.

Nach 6 km Tour kündigen sich die bereits auf der Zugfahrt entdeckten Steine im Regen an. Mit jeweils 200 m Vorlauf gilt es auf der Höhe von Urleiten durch vorausschauendes Paddeln und dem Versuch die vorausliegenden Strömungsbilder des Flusses richtig zu deuten den richtigen Weg durch die Felsen zu finden. Das gelingt uns sehr gut – nur einmal rutschen wir mit dem Boden unseres Athabasca über einen dicht unter der Wasseroberfläche liegenden Stein. Uns ist aber klar, dass es bei Niedrigwasser aufwändiger wäre sicher zu navigieren.
Nach ungefähr der Hälfte der Tour erreichen wir Chamerau. Hier blockiert ein Wehr den Regen. Wir haben uns zwar beim Shuttle unseres Autos die Bürstenrutsche angesehen, entscheiden uns aber doch dazu, das Wehr zu umtragen – zumal die „fahrbar/nicht fahrbar“-Beschilderung an der Aussetzstelle nicht eindeutig mit entsprechenden Signalen am Wehr korrespondiert.
Da der Umtrageweg relativ lang ist (ca. 300 m), kommt hier unser Bootswagen zum Einsatz. Und vor dem Wiedereinsetzen machen wir Picknick. Alternativ wäre auch der Besuch des direkt an der Einsetzstelle gelegen Biergartens möglich gewesen.

Nach Chamerau fließt der Regen in vielen Windungen durch offene Landschaft. Hier ist die Fließgeschwindigkeit gering und es geht nur mit Muskelkraft voran. Und ganz so einsam – wir sind heute ohne andere Paddler unterwegs – ist es hier auch nicht mehr. Radweg und zum Teil auch sichtbare Autostraßen begleiten unsere Tour.
Kurz vor dem Ziel, 1,7 km vor Cham, gibt es dann bei Hammermühle noch eine nicht fahrbare Stufe. Also muss der Canadier nochmal aus dem Wasser raus. Leider haben sich die Menschen, die hier den Ausstieg geplant und/oder gebaut haben nicht gerade mit Ruhm bekleckert: Mitten zwischen den beiden Treppen, über die wir eigentlich den Canadier quer – Christiane vorne, Henrik hinten – das Ufer hochtragen wollen, steht ein hüfthoher Markierungspfahl im Weg. Klar, mit den schweren PE-Booten der Verleiher zieht man den Canadier einfach längs die mit Holz versehenen Stufen hoch. Aber unseren leichten Athabasca wollen wir halt so wenig wie möglich über Land schleifen.
Auch der Einstieg ist nicht perfekt. Zwar gibt es hier keinen Pfosten im Weg, aber der Wasserstand ist gerade so, dass die letzte Steinstufe wenige Zentimeter unter Wasser liegt und wir entweder beim Einsteigen auf Grund liegen oder an der scharfen Steinkante anschlagen. Na ja, Gebrauchsspuren gehören auch zum Flusstouren. Entschädigt für die unglückliche Umtragestelle werden wir aber durch die Schönheit der Stufe. Schade, dass wir die nicht fahren konnten…
Dann kommt Cham in den Blick und nach wenigen Paddelschlägen sehen wir auch die Fußgängerbrücke an D’Wasser Wirtschaft, wo unser Auto parkt und unsere Tour zu Ende geht. Schnell ist der Canadier wieder auf dem Autodach verstaut, Paddel und sonstiges Equipment im Auto verstaut. Danach belohnen wir uns nach der 4 1/2 Stundentour in D’Wasser Wirtschaft mit einer deftigen Brotzeit.

Fazit

Eine gelungene und abwechslungsreiche Tour, die sich auch für Familien eignet. Wer keinen eigenen Kanadier hat, der kann – inkl. Shuttleservice – auf dem Campingplatz Blaibach/Kreuzbach mit dem Leihboot die Tour genießen. Und wer mehr vor hat: Genusstouren auf dem Blaibacher See sind genauso möglich, wie die Flusswanderung in 5 Tagen bis Regensburg.

Ausflugstipp

Natürlich ist der Urlaub noch nicht vorbei. Und daher hier noch ein Ausflugstipp den wir sehr empfehlen können.

Von Blaibach aus problemlos als Tagesausflug machbar, ist der Baumwipfelpfad im Nationalpark Bayerischer Wald ein tolles Erlebnis. Auf einer Höhe zwischen 8 und 25 Metern über dem Waldboden kann man auf dem 1,3 km langen, behindertengerechten Weg den Wald aus einer neuen Perspektive kennenlernen. Neben vielen interessanten Informationen zum Wald an sich und dem Nationalpark im Besonderen, wird man am Ende – mit dem Erklimmen des sogenannten Baumturms – ein gigantischer Blick über den Bayerischen Wald belohnt. Und wer mehr über Wald wissen möchte, sollte auf jeden Fall auch das Hans-Eisenmann-Haus im Nationalparkzentrum Lusen am Ende des Baumwipfelpfades besuchen.